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Kommunikationswissenschaften

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Rückblick: Geschafft.

Seit drei Tagen plagt mich eine beginnende Mandelentzündung mit einer ordentlichen Ladung Schnupfen dazu. Perfekter Zeitpunkt, wie auch im letzten Jahr, denke ich mir. Noch sind drei Tage Zeit, aber so ein bisschen Stimme wäre sicherlich nett und würde die Prüfer freuen.
Vor lauter Panik beim Anblick meiner Mandeln und den netten Punkten, die sich darauf befinden, schiebe ich einen Arztbesuch ein, damit dieser mir irgendetwas verschreibt. Wunderheilung wäre auch super! Ich betrete den Raum, schüttele dem Arzt die Hand und Sekunden später habe ich auch schon eines dieser Stäbchen im Mund. “Ist nix weiter, Virus, wird schon, auf Wiedersehen!” – Öhm, ja. Gut, dann gehe ich eben wieder und lutsche weiterhin diese leckeren Halsbonbons.

Zwei Tage später beschließe ich, dass ich das Lernen aufgebe. Mein Kopf fühlt sich an, als hätte ich ihn ein paar Mal ordentlich gegen die Wand geknallt und ich bin mir sicher, dass ich nicht mehr machen kann, als mich in die Decke einzuwickeln und auf den morgigen Tag zu warten. Und zu hoffen, dass meine Stimme bis dahin nicht mehr ganz so nach Kettenraucher klingt.
An dem Tag stehe ich noch früher auf als sonst, trinke einen Orangensaft und merke, dass meine Stimme halbwegs wieder da ist. Eine Rede werde ich nicht halten können, aber für die 30 Minuten wird es reichen und das bringt meinen Puls schon deutlich runter. Ich sehe mir alle meine mittlerweile verhassten gelben Lernkärtchen nochmals an, präsentiere erneut meine Magisterarbeit und warte dann zwei Stunden, während ich mir irgendwelche YouTube-Videos ansehe. Danach falle ich mit meinem Gesicht noch kurz in einen Schminktopf, streife mir meine einzige weiße Bluse über, schlüpfe in meine unbequeme schwarze Jeans und lasse mich von meinem Freund zur Schlachtbank begleiten – zumindest fühlt es sich in dem Moment so an.

Als ich die siebte Etage des Instituts betrete, kommt mir schon mein Prüfer entgegen und lächelt freundlich. Ich setze mich hin und warte einfach nur noch ab, bis dieser Kram endlich losgehen kann. Freundlicherweise stürzt zwei Minuten vor meiner Prüfung ein Mädchen aus dem Prüfungsraum, völlig panisch und erzählt laut, wie furchtbar alles gewesen sei und dass sie den Magistertitel nun komplett vergessen könnte. Nun ja, vermutlich hatte ich noch nie einen größeren Drang dazu, einen Menschen auf den Kopf zu hauen, als jetzt. Aber ich beschließe, es einfach auf mich zukommen zu lassen und gehe den Gang hinunter, rein ins Prüfungszimmer und warte auf die Professoren. Mein Erstprüfer fragt mich, welche Note er mir auf die Magisterarbeit denn eigentlich gegeben hätte und was nochmal unsere Prüfungsthemen wären – ich gebe zu, das trägt nicht unbedingt zu meiner Beruhigung bei. Auch nicht, dass meine Zweitprüferin während dem ersten Teil meiner Prüfung auf ihrem iPhone herumspielt und mir dann die wildesten Wortfetzen hinknallt, damit ich etwas dazu sage. Die Fragen ziehen nur so an mir vorbei, ich rede, sie nicken. Ich begreife langsam, dass das hier jetzt das Ende ist und dann ist es auch schon vorbei. Alle drei Professoren beglückwünschen mich zum Ende meines Studiums und ich verlasse das Gebäude zum letzten Mal als Studentin.

Geschafft.